Momentane Situation

Die Altstadt wird momentan massiv aufgewertet, die Mieten schnellen in die Höhe. Wohnungsknappheit ist in ganz Winterthur ein bekanntes Problem vor allem für Leute mit einem bescheidenen Budget. Unter anderen betrifft dies konkret junge Erwachsene, Kunstschaffende, Menschen im Niedriglohn-Segment, Sozialhilfe- Bezieher:innen, Migrant:innen, Lehrlinge, Personen in Ausbildung und Student:innen. Das bedeutet, dass sich das Gesicht der Innenstadt stark verändern wird. Es wird vergoldet.

Ein gutes Beispiel dafür, ist der geplante Luxus-Spa im ehemaligen Polizeigebäude am Obertor. Dort gab es vor langer Zeit ein bezahlbares Volksbad.

Die Aufwertung in der Altstadt und in ganz Winterthur wird Folgen haben. Eine davon ist, dass in der näheren Zukunft keine soziale Durchmischung in den total sanierten Gebäuden mehr Platz hat. Zahlungskräftige und reiche Menschen, die sich Wohnungen im oberen Preissegment leisten können, werden einziehen.

Wohin werden die Menschen mit bescheidenem Budget verdrängt?

Es wird sich in den nächsten Jahren zeigen, ob wir überhaupt noch Wohnraum finden in der Stadt oder ob wir uns total umorientieren müssen.

Denn die Aufwertungsoffensive der Stadt endet nicht am Rand der Altstadt, sondern zieht sich durch alle Stadtteile in Winterthur, unter anderem Töss, vor allem das Sulzer-Areal und Oberwinterthur, vor allem Neu Hegi. Überall wird Wohnraum unbezahlbar gemacht, um aus Mieten soviel Profit wie möglich zu schlagen.

Dies wird teils mit Schlagwörtern wie „partizipativ“ und „sozial inklusiv“ vermarktet. Das sind leider leere Worte. Wahrhaftig sozialer Wohnungs- und Städtebau wird in Winterthur nicht betrieben.

Es gibt tatsächlich bezahlbaren Wohnraum, auch hier in Winterthur. Aber bei weitem nicht genug! Folgende Beispiele zeigen, was möglich ist, wenn kein Gewinn aus der Miete gemacht wird, sondern sozialen Wohnungsbau tatsächlich umgesetzt wird. Jetzt im Jahr 2023 kostet ein WG-Zimmer in einigen Häusern an der Steinberggasse, in Veltheim oder beim Teuchelweiher nur 250 CHF bis 300 CHF pro Monat. Der Ausbaustandard ist hoch und die Miete ist bezahlbar. Mit diesen 300 CHF pro Zimmer können Umbauten wie auch die Instandhaltung vom ganzen Gebäude finanziert werden.
Die Arbeiter:innen, welche diese Arbeiten verrichten, werden fair entlöhnt. Wisst ihr, dass einige dieser Häuser vor Jahren besetzt wurden und jetzt in einem legalen Verhältnis als Genossenschaft oder im Baurecht funktionieren? Diese Häuser stellen seit Jahren bezahlbare Wohnungen mit zeitgemässen Ausbaustandard zur Verfügung. Dort finden Veranstaltungen statt, wo sich Leute ohne Konsumzwang aufhalten können. Getränke wie auch Essen wird jeweils bereitgestellt und alle können soviel zahlen, wie sie sich leisten können. Diese Beispiele zeigen auf, dass es geht, günstigen Wohnraum bereitzustellen, solange die Profitmaximierung nicht im Zentrum steht.

Der Stadt, grossen Immobilienfirmen, Banken, Versicherungen und der SKKG gehören zahlreiche Liegenschaften im Stadtzentrum, wie auch in und um Winterthur. Genau diese Eigentümer:innen müssen zur Verantwortung gezogen werden, damit in der Stadt Winterthur nach wie vor eine soziale Durchmischung möglich ist. Eine Stadt lebt davon, dass verschiedene Menschen mit verschiedenen Lebensrealitäten und Einkommen mitwirken und mitgestalten können.

Wie die Stadt Winterthur selber sagt „Der öffentliche Raum gehört allen und wird auf unterschiedliche Weise angeeignet.“
(https://stadt.winterthur.ch/gemeinde/verwaltung/stadtkanzlei/kommunikation-stadt-winterthur/medienmitteilungen-stadt-winterthur/nutzungskonzept-fuer-den-umgang-mit-oeffentlichen-raeumen-in-winterthur)

Um dem gerecht zu werden, ist es zwingend nötig, dass es mehr bezahlbaren Wohnraum gibt, denn genau von dieser Pluralität lebt Winterthur und genau diese Durchmischung macht Winterthur zur sogenannten „Kulturstadt“.